Arbeitsklima-Index 2010
Abstand zu den Österreich-Werten im Vorjahr halbiert
Die Arbeitszufriedenheit der burgenländischen Arbeitnehmer hat im Vorjahr deutlich zugelegt, liegt aber noch immer unter dem Durchschnitt der unselbständig Erwerbstätigen in Österreich. Zwar erfreuen sich die Burgenländer in der Regel eines besseren Betriebsklimas als die Beschäftigten in den übrigen Bundesländern, was die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten im Burgenland jedoch beeinträchtigt, sind geringere Arbeitsmarktchancen sowie ein höherer wirtschaftlicher Zukunftspessimismus.
Als stärkster Faktor für die Arbeitszufriedenheit erweist sich jedoch der individuelle Bildungshintergrund der Arbeitnehmer.
Beschäftigtenzahlen, Arbeitslosenrate, Wirtschaftswachstum, Krankenstandstage…
Wirtschaftsdaten gibt es viele, doch was sagen die statistischen Zahlen über die individuelle Situation des einzelnen Arbeitnehmers aus? Zumeist lassen sich nur indirekt Schlüsse daraus ziehen.
Um Schlaglicht auf die Situation der Beschäftigten in der Arbeitswelt zu werfen, wurde der Österreichische Arbeitsklimaindex entwickelt. Seit mehr als zehn Jahren dient er als „Mess-Sonde“ für Veränderungen in der Arbeitswelt und als Maßstab für den wirtschaftlichen und sozialen Wandel aus Sicht der Arbeitnehmer.
Im Vorjahr hat die Arbeiterkammer Burgenland zum dritten Mal einen eigenen Regionalindex für das Burgenland berechnen lassen.
AK-Präsident Alfred SCHREINER: „Die dritte Auswertung eines regionalen Arbeitsklima-Index für das Burgenland brachte ein überraschendes Ergebnis. Während die Arbeitszufriedenheit österreichweit im Vorjahr abgenommen hat, ist sie im Burgenland gestiegen. Diese positive Entwicklung entgegen dem Österreich-Trend hat dazu geführt, dass sich der Abstand zu den Österreich-Werten halbiert hat. Damit zeigt sich klar, dass die vom Land Burgenland in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern entwickelten und gesetzten Maßnahmen gegen die Wirtschaftskrise gegriffen haben.“
Regionalindex Burgenland: Die Zufriedenheit steigt, liegt in drei Teilbereichen aber nach wie vor unter dem Österreich-Schnitt
Für die Studie wurden im Zeitraum Feber bis Dezember 2010 in vier Erhebungswellen knapp 600 ArbeitnehmerInnen im Burgenland befragt, österreichweit waren es 4.900 Personen. Die Auswahl erfolgte auf einer statistisch gesicherten Zufallsstichprobe, die Ergebnisse sind repräsentativ für alle unselbständig Erwerbstätigen im Burgenland.
Studienautor Georg MICHENTHALER: „Mit einem Wert von 104 liegt der Burgenland-Index nach wie vor unter dem Österreich-Schnitt von 108, der Abstand hat sich jedoch im Vorjahr halbiert. Nach wie vor weisen die burgenländischen Beschäftigten einen signifikant stärkeren wirtschaftlichen Zukunftspessimismus auf. So ist zwar das Bangen um den eigenen Arbeitsplatz geringer geworden, im Fall eines Jobverlustes befürchten jedoch 62 Prozent der Burgenländer, nur schwer wieder einen adäquaten Arbeitsplatz finden zu können. Insgesamt erstrecken sich die Abweichungen nach unten über drei von vier Teilbereichen. Deutlich zufriedener zeigen sich die Burgenländer, wo es um die persönliche Beziehungen zu den Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz geht.“
Wie in ganz Österreich zeigt sich auch im Burgenland, dass individuelle Arbeitszufriedenheit einen engen Zusammenhang mit dem Bildungsgrad, aber auch mit dem Alter und der beruflichen Stellung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat.
Stimmung der Arbeitnehmer im Burgenland entgegen dem Österreichtrend gestiegen
Entgegen dem Österreichtrend ist die Arbeitszufriedenheit im Burgenland im Vorjahr gestiegen. Mit 104 Punkten (+3) liegt die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten im Burgenland nur mehr 4 Punkte unter dem Österreichschnitt von 108 Punkten (-1). Damit hat sich der Abstand zu dem Österreich-Werten im Vorjahr halbiert.
Was die wirtschaftliche Zukunft betrifft, sind die Arbeitnehmer im Burgenland nach wie vor pessimistischer (46 zu 54 Indexpunkten) als im übrigen Österreich. Trotz Verbesserungen liegen auch die Erwartungen niedriger.
Deutlich aufgeholt hat das Burgenland aber im Teilbereich „Betrieb“. So ist die Zuversicht der Burgenländer in die wirtschaftliche Zukunft ihres Betriebes signifikant stärker gestiegen (von 61 auf 66 Indexpunkten) als im Österreich-Schnitt. Auffällig ist auch die weitaus größere Zufriedenheit mit dem Führungsstil (von 65 auf 71 IP).
Im Teilbereich „Arbeit“ liegt die Zufriedenheit der Burgenländer sogar über dem Österreich-Schnitt. Während die Einkommenszufriedenheit im Burgenland leicht steigt, haben sich die psychischen Belastungen – 2009 noch als massiv empfunden - im Vorjahr auf Österreich-Niveau eingependelt. Im Gegenzug sind die körperlichen Belastungen leicht gestiegen.
Jüngere und Gut-Qualifizierte zählen zu den Gewinnern
Nach Alter differenziert, zeigen sich die größten Unterschiede bei den beruflichen Erwartungen.
Mit 58 Punkten liegt der Erwartungsindex bei Arbeitnehmern unter 30 Jahren um 7 Punkte über dem Burgenland-Wert (51 Indexpunkte) und immerhin noch drei Punkte über dem Österreich-Schnitt. Jüngere sind deutlich optimistischer als Ältere und verfügen über wesentlich bessere subjektive Karriere- und Arbeitsmarktperspektiven.
Abgesehen vom Einkommen sind auch die Frauen generell zufriedener als die Männer; sie leiden insbesondere weniger unter körperlichen Belastungen.
Den stärksten Effekt auf die Arbeitszufriedenheit haben jedoch die Bildungsvoraussetzungen der Befragten. So weisen niedriger Qualifizierte in den meisten Aspekten unterdurchschnittliche Indexwerte auf.
Befragten, die nur über einen Pflichtschulabschluss verfügen, liegen beim Teilindex Erwartungen 6 Punkte unter dem Burgenlandschnitt.
Das mit Abstand niedrigste Zufriedenheitslevel weisen Hilfsarbeiter mit nur 91 Indexpunkten auf. Sie liegen damit um 13 Punkte unter dem Burgenland-Wert.
Gerade bei den schlechter Qualifizierten zeigt sich, dass die pessimistische Einschätzung auch der tatsächlichen Arbeitsrealität entspricht. So war die letzten beiden Jahre jeder Dritte Hilfsarbeiter von Arbeitslosigkeit betroffen. Vor der Wirtschaftskrise war das Risiko für Hilfsarbeiter, arbeitslos zu werden, um ein Drittel geringer. Bei Facharbeitern betrug das Risiko einer Arbeitslosigkeit lediglich 8%. Bei ihnen drückt aber starke körperliche Belastung die Arbeitszufriedenheit.
Tolle Arbeitskollegen, bessere Karrierechancen aber rapide sinkende betriebliche Sozialleistungen
91% der Burgenländer haben zu den Arbeitskollegen eine (sehr) gute Beziehung, das ist deutlich besser als der Österreichschnitt (86%).
Auch die Zufriedenheit mit dem Führungsstil (67%) hat sich kontinuierlich verbessert und liegt nunmehr im Österreich-Schnitt.
Deutlich zugelegt haben im Vorjahr die Karriere-Erwartungen. Mit einem Plus von 5 Punkten ist die Einschätzung der Aufstiegs-, Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten bei 65 Indexpunkten und damit auf Österreich-Niveau angelangt.
Der Wirtschaftskrise zum Opfer gefallen sind offensichtlich die betrieblichen Sozialleistungen. Von 67% im Jahr 2008 ist die Zufriedenheit mit den betrieblichen Sozialleistungen im Burgenland kontinuierlich auf 50% gesunken. Österreichweit erreichte sie im Vorjahr immer noch 60%.
Veränderung bei den Arbeitsbelastungen
Massiv gesunken – auf das Niveau von Österreich insgesamt –sind die 2009 noch sehr hohen Belastungen durch psychischen Stress/Zeitstress (von 40 auf 32 IP), während die körperlichen Belastungen leicht zunehmen (von 24 auf 25 IP) und nunmehr um 4 Indexpunkte über dem österreichischen Niveau liegen.
„Maßnahmen nicht abreißen lassen!“
Für AK-Präsident Alfred Schreiner liefert die aktuelle Indexauswertung die Bestätigung dafür, dass die eingeleiteten Maßnahmen fortgeführt und ausgebaut werden müssen.
AK-Präsident Schreiner: „Die Indexauswertung zeigt eines ganz klar: Das Burgenland ist von der Wirtschaftskrise ganz und gar nicht verschont geblieben, hat sie aber Dank der raschen und funktionierenden Zusammenarbeit von Landespolitik und Sozialpartnern besser und schneller gemeistert als andere Bundesländer. Die eingeleiteten Maßnahmen dürfen jetzt aber nicht abrupt abreißen. Im Gegenteil, Bund und Land müssen weiter in Qualifizierung und Arbeitsplätze investieren, es zahlt sich aus!
Einen weiterer Pluspunkt sieht der burgenländische AK-Präsident im Anstoß für positive Veränderungen in den Betrieben: „Wir haben Negatives – zum Beispiel beim Führungsstil - deutlich aufgezeigt, öffentlich zum Thema gemacht und Verbesserungen eingefordert, und die Wirtschaft hat sehr rasch reagiert.“
-
|
Mehr

