Gefährliche Stoffe im Werkzeug
Das Umweltbundesamt hat im Auftrag der Arbeiterkammer Burgenland 17 Heimwerkerprodukte auf gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe überprüft.
Die Ergebnisse sind bedenklich. Die Details der Untersuchung stellen die AK Burgenland und das Umweltbundesamt in einer gemeinsamen Pressekonferenz vor.
Hammer, Zange, Schraubenzieher - diese Produkte finden sich in jedem Haushalt. Doch Vorsicht! Viele Werkzeuge enthalten gesundheitsgefährdende Stoffe! Das zeigt der aktuelle Test, den das Umweltbundesamt im Auftrag der Arbeiterkammer Burgenland durchgeführt hat. Von 17 Produkten wurden 9 mit mangelhaft oder nicht genügend bewertet und sind daher für den längeren Kontakt mit der Haut nicht geeignet. 3 Produkte waren sehr hoch mit krebsauslösenden PAK belastet und 5 Produkte wiesen hohe Konzentrationen des Kunststoffweichmachers DEHP auf.
Die Tester der AK haben in 6 Baumärkten, insgesamt 17 typische Heimwerkerprodukte eingekauft und das Umweltbundesamt mit der Analyse auf gesundheitsgefährdende Stoffe beauftragt. Die ExpertInnen hatten dabei krebsauslösende PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) und den Kunststoffweichmacher DEHP, Di(2-ethylhexyl)phthalat, im Visier.
- 3 Artikel – ein Teleskopschraubendreher der Marke OK. (Baumax), ein Gummihammer (Zgonc) und ein Schlosserhammer der Firma Starke (Hornbach) waren im Vergleich zum Grenzwert von 0,2 mg/kg sehr hoch (bis über 4.000fach!) mit den krebsauslösenden PAK belastet. Diese Produkte wiesen auch hohe Konzentrationen an DEHP auf.
- 4 Produkte – eine Flachfeile der Firma Erba (Zgonc), ein Schraubendreher der Firma Wiha (Hornbach), ein Schraubendreher der Marke Yellow Profiline (Zgonc) und ein Schlosserhammer der Firma Stanley1) (Hornbach) sind zusätzlich zu den o.a. 3 Artikeln nach dem Kriterium „Geprüfte Sicherheit“ aufgrund des PAK-Gehaltes nicht für den längeren Kontakt mit der Haut (mehr als 30 Sekunden) geeignet.
- 2 Produkte – eine Gartenschere der Marke OK. (Baumax) und ein Zangenset der Marke Erba (Zgonc) wiesen hohe Konzentrationen des Kunststoffweichmachers DEHP auf. DEHP kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen und steht weiters im Verdacht, hormonell wirksam zu sein.
„Besonders ärgerlich sind die Testergebnisse angesichts der Tatsache, dass das Problem seit Jahren bekannt ist“, meint Dr. Eva Schreiber, die Leiterin der Konsumentenberatung der Arbeiterkammer Burgenland. Analysen von mehr als 5.000 Verbraucherprodukten durch Labors in der EU haben gezeigt, dass ein beträchtlicher Anteil der Produkte PAK enthält.
Auf Basis dieser Ergebnisse hat das Bundesinstitut für Risikobewertung in Deutschland gemeinsam mit anderen deutschen Bundesbehörden ein Beschränkungsdossier erstellt und an die Europäische Kommission übermittelt. Ziel ist, auf EU-Ebene zu bewirken, dass die Verwendung dieser gesundheitsschädlichen Substanzen in einer Vielzahl von Produkten beschränkt oder verboten wird.
Denn während PAK in Stoffen und Zubereitungen für die Allgemeinheit nicht über einer Konzentration von 0,1% enthalten sein dürfen, ist der Gehalt der PAK in Verbraucherprodukten jedoch - mit Ausnahme von Autoreifen - nicht reguliert.
Zur Problematik der PAK und DEHP meint Dr. Sabine Cladrowa, Leiterin der Abteilung Chemikalien im Umweltbundesamt: „PAK und DEHP sind ein Risiko für Mensch und Umwelt. Sie gelangen hauptsächlich durch den Hautkontakt in den Körper. PAK können das Krebsrisiko erhöhen und DEHP auch den Hormonhaushalt beeinträchtigen. Zudem belasten PAK- und DEHP-haltige Produkte nach ihrem Gebrauch als Abfälle die Umwelt.“.
- Es gibt keine eindeutigen Erkennungszeichen dafür, dass Werkzeuge PAK enthalten.
- Als mögliche Hinweise gelten ein penetranter Geruch, weicher, schwarzer Gummi und ein niedriger Preis.
- Ein penetranter Geruch ist aber nur ein Hinweis auf gefährliche PAK. Stark riechende Produkte können auch unbelastet sein. Umgekehrt können Produkte, die neutral riechen, PAK enthalten.
- Der Preis ist ein weiterer möglicher Hinweis auf eine Gefährdung durch PAK. Der aktuelle Test zeigt, dass es auch günstige Produkte gibt, die keine Schadstoffe enthalten.
- Im Zweifelsfall gilt: Ist ein Produkt billig und der Griff aus weichem, stechend riechendem Gummi – lassen Sie das Produkt im Regal!
- Zumindest aber tragen Sie bei der Verwendung Handschuhe, denn PAK sind gut fettlöslich und werden so von der Haut leicht aus den Gummiteilen gelöst. Fetthaltige Handcremes verstärken den Effekt.
Anmerkung
Die Firma Wiha hat der Arbeiterkammer Burgenland am 19.7.2011 zu obenstehender Information vom 25.1.2011 eine Stellungnahme übermittelt SIEHE INFOBOX !
Wir halten dazu fest, dass sich die ursprüngliche Veröffentlichung der AK Burgenland auf den unbedenklichen Prüfbericht des Umweltbundesamtes stützt. Die AK Burgenland hat keinen Grund, an den Ergebnissen dieses renommierten Forschungsinstitutes zu zweifeln. Dennoch wollen wir unseren Leserinnen und Lesern die Stellungnahme der Firma Wiha nicht vorenthalten. Zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung und zur Veröffentlichung einer „Richtigstellung“ sieht die AK Burgenland aber gegenwärtig keinen Grund.
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Downloads
- Produktuebersicht
- Factsheet
- Stellungnahme Fa. Wiha 19.07.2011
- Stellungnahme UBA zu Fa. Wiha 25.07.2011

