Insolvenzstatistik: Noch lange keine Entwarnung!
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Für die AK Burgenland stehen die Opfer im Mittelpunkt
AK-Präsident Alfred Schreiner: „Hinter den Insolvenz-Zahlen für 2010 stehen konkrete Schicksale. Für die AK Burgenland stehen die betroffenen Menschen im Mittelpunkt –nicht wie in anderen Insolvenzstatistiken die Zahl der Gläubiger oder die Höhe der Passiva. Wir wissen, wie einschneidend und belastend eine Firmen-Pleite für Arbeitnehmer ist. Ganze Familien bangen um ihre Existenz.“
AK-Insolvenzvertretung: Ein europaweit einzigartiges Service
Nach einer Unternehmenspleite ist für die Beschäftigten eine Frage besonders dringend: Wie bekomme ich den Lohn, den mir meine insolvente Firma nicht mehr bezahlen konnte? In Österreich helfen die Insolvenzschutzverbände der Arbeitnehmer (ISA) in den Bundesländern – im Burgenland der ISA Burgenland – den betroffenen ArbeitnehmerInnen. Der ISA ist eine Einrichtung der Arbeiterkammern und Gewerkschaften, welche Arbeitnehmer im Fall der Insolvenz ihres Arbeitgebers unentgeltlich berät, die aufwendige Berechnungen durchführt und die Arbeitnehmer bei der IEF-Service GmbH, die den Insolvenzentgeltsicherungsfond verwaltet, im Gläubigerschutzverband sowie beim Insolvenzgericht vertritt.
AK-Präsident Alfred Schreiner: „Diese kostenlose Vertretung der Arbeitnehmer ist europaweit einzigartig und keine Selbstverständlichkeit. Der AK Burgenland ist es wichtig, dass wir gerade in dieser sehr schwierigen Situation unseren Mitgliedern zur Seite stehen. Das beginnt mit der Beratung vor der Insolvenzeröffnung, geht über Betriebsversammlungen bis hin zur kompletten Abwicklung der einzelnen Anträge. Damit sorgen wir dafür, dass die Betroffenen ihre Lohnforderungen möglichst rasch und korrekt ausbezahlt bekommen.“
Zum Vergleich: In Deutschland müssen die von einer Unternehmensinsolvenz betroffenen Arbeitnehmer den Antrag auf ein „Insolvenzgeld“ selbst stellen und es können nur maximal 3 Monatslöhne und keine Sonderzahlung wie etwa Urlaubsgeld geltend gemacht werden. Und in Ungarn und Slowakei ist das Insolvenzgeld stark gedeckelt
AK verhinderte Verschlechterungen im neuen Insolvenzrecht
Mit 1. Juli 2010 trat das neue Insolvenzrecht in Kraft. Im Entwurf der Justizministerin waren zahlreiche einschneidende Verschlechterungen für Arbeitnehmer vorgesehen. AK-Präsident Alfred Schreiner: „Die AK Burgenland hat sich nicht nur in unserer Stellungnahme zum Gesetz, sondern auch öffentlich massiv für eine Streichung der entsprechenden Bestimmungen stark gemacht. Der Widerstand war erfolgreich, die Verschlechterungen wurden zurückgenommen.“
Verschlechterungen, die verhindert wurden:- Ein Austritt des Arbeitnehmers bei Zahlungsrückständen vor der Insolvenzeröffnung ist weiterhin möglich, eine Ankündigung des AG über mögliche Insolvenz sperrt die Beschäftigten nicht, damit ist Rechtssicherheit gewährleistet.
- Es wird kein Spezialarbeitsrecht zugelassen, wodurch maßgebliche Rechtsvorschriften zum Nachteil der AN verändert werden könnten.
- Ein Austritt nach Insolvenzeröffnung wegen Lohnforderungen gegen den Masseverwalter ist weiterhin möglich.
- Der Masseverwalter oder Sanierer hat keine Möglichkeit, nach Konkurseröffnung unbeschränkt einzelne Arbeitnehmer bevorzugt zu kündigen
Die Zahlen der Insolvenzstatistik 2010
Zahl der Insolvenzfälle:
2010: 190 Insolvenzen
2009: 193 Insolvenzen
Zahl der betroffenen Arbeitnehmer:
2010: 1.018 Arbeitnehmer
2009: 995 Arbeitnehmer
Während die Zahl der von der AK Burgenland bearbeiteten Insolvenzfälle 2010 nur leicht zurückging (-1,5 Prozent), übersprang die Zahl der von Unternehmenspleiten betroffenen Insolvenz-Opfer die 1000er-Marke.
Mag. Rainer Porics: „Die Situation hat sich im letzten Quartal des Jahres durch Insolvenzen mit sehr vielen Opfern deutlich zugespitzt. Ein Höhepunkt war dann im Dezember die Insolvenzeröffnung über die Firma SLG Bau, die ehemalige Lauggas, mit 158 betroffenen Arbeitnehmern. Aus unserer Sicht kann es noch lange keine Entwarnung nach der Wirtschaftskrise geben. 2011 wird mit Sicherheit kein leichtes Jahr und wir rechnen nicht mit einem Rückgang der Insolvenzen.“
Pleiten-Opfer: 80 Prozent Männer, 74 Prozent Arbeiter
Eine nähere Auswertung der Insolvenzstatistik der AK Burgenland ergibt folgendes Bild: Rund 80 Prozent der Betroffenen sind Männer, 74 Prozent der Pleiten-Opfer sind Arbeiter. 2010 vertrat die AK Burgenland auch über 45 Lehrlinge.
AK holte 6,4 Millionen Euro an nicht bezahltem Lohn
2010: rd. 6,4 Millionen Euro
2009: rd. 6 Millionen Euro
Eine deutliche Steigerung gab es 2010 bei den von der AK Burgenland eingebrachten Forderungen bei der IEF. Über die Insolvenzvertretung holte die AK Burgenland 6,4 Millionen Euro (rd. + 6,3 Prozent) an nicht bezahltem Entgelt für die Betroffenen heraus. Zur Illustration: Die Summe entspricht mehr als 4.000 Euro durchschnittlichen burgenländischen Netto-Monatseinkommen.
Mag. Rainer Porics: „Die hohe Summe kommt dadurch zustande, dass unter den Insolvenzopfern sehr viele langjährige Mitarbeiter sind, die ihre Abfertigung ausbezahlt bekommen. Das ist ein Alarmsignal: Durch die Insolvenzen gingen 2010 viele Arbeitsplätze verloren, die einmal als solide und sicher galten.“
Bauwirtschaft und Metallgewerbe stark betroffen
Unter den größten Unternehmens-Pleiten im Jahr 2010 im Burgenland sind vorwiegend Betriebe der Bauwirtschaft und des Metallgewerbes.
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